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Sebastian Nawrot
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ADHS & Fokus

ADHS und Hochsensibilität: Die wissenschaftliche Perspektive zur Schnittmenge zweier Phänomene

Eine evidenzbasierte Analyse der Überschneidung zwischen ADHS und Hochsensibilität (HSP). Prävalenzdaten, neurobiologische Grundlagen und aktuelle Forschungsergebnisse.

Sebastian Nawrot
16 Min. Lesezeit
#ADHS#Hochsensibilität#HSP#Neurowissenschaft#Forschung#Wissenschaft

Einleitung: Zwei Phänomene, eine komplexe Beziehung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Hochsensibilität (High Sensitivity Person, HSP) werden in der klinischen Praxis und wissenschaftlichen Forschung zunehmend als überlappende, aber distinkte Phänomene diskutiert. Während ADHS als neuropsychiatrische Entwicklungsstörung klassifiziert wird, gilt Hochsensibilität als normvariantes Persönlichkeitsmerkmal. Dennoch zeigen aktuelle Studien signifikante Überschneidungen in der sensorischen Verarbeitung und klinischen Präsentation beider Konstrukte.

Diese Analyse untersucht den aktuellen Forschungsstand zur Schnittmenge zwischen ADHS und Hochsensibilität, basierend auf epidemiologischen Daten, neurobiologischen Erkenntnissen und klinischen Studien.

Prävalenz und epidemiologische Daten

ADHS-Prävalenz

Die globale Prävalenz von ADHS im Erwachsenenalter liegt nach DSM-IV-Kriterien bei 2,8% der Allgemeinbevölkerung (ADHSpedia, 2024). In Deutschland zeigen repräsentative Studien eine Prävalenz von 4,7% bei Erwachsenen, während nach DSM-5-Kriterien etwa 2,5% betroffen sind (ADHS Deutschland e.V.).

Ein wichtiger Befund der aktuellen Forschung: Die weltweite Prävalenz von ADHS ist laut einer systematischen Übersichtsarbeit von 2025 nicht angestiegen, obwohl die Nachfrage nach Diagnostik deutlich zugenommen hat (Deutsches Ärzteblatt, 2025).

Aus deutschen Krankenkassendaten ist zwischen 2015 und 2024 eine Zunahme der Inzidenzen der ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen ablesbar, wobei dieser Trend ab 2021 beginnt und bei jungen Erwachsenen sowie jungen Frauen am stärksten ausfällt (Science Media Center, 2024).

Persistenz ins Erwachsenenalter: Bei etwa 60% der im Kindesalter diagnostizierten Betroffenen bleiben wesentliche ADHS-Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen (ADHS-Info).

Hochsensibilität-Prävalenz

Hochsensibilität (Sensory Processing Sensitivity, SPS) wird als normvariantes Temperamentsmerkmal verstanden, das schätzungsweise 15-20% der Bevölkerung betrifft (Aurum Cordis, Forschungsstand). Dieser Prozentsatz wurde in den grundlegenden Arbeiten von Dr. Elaine Aron in den 1990er Jahren etabliert und durch nachfolgende Studien weitgehend bestätigt (Schweizerische Ärztezeitung, 2017).

Die Prävalenzschätzung von 15-20% basiert auf der Annahme, dass Hochsensibilität eine evolutionär konservierte Strategie darstellt, die in ähnlichen Proportionen auch bei über 100 anderen Spezies beobachtet wurde (DGPP Online, 2024).

Überschneidung: Erste Schätzungen

Wenn wir von einer ADHS-Prävalenz von ~4% und einer HSP-Prävalenz von ~20% ausgehen, und beide Merkmale unabhängig wären, würden wir erwarten, dass etwa 0,8% der Bevölkerung beide Merkmale aufweist. Aktuelle Forschungsdaten deuten jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Überschneidung deutlich höher liegt, was auf eine nicht-zufällige Komorbidität hinweist.

Neurobiologische Grundlagen

ADHS: Dopaminerge und noradrenerge Dysfunktion

Die Neurobiologie von ADHS wird traditionell mit Dysregulationen in monoaminergen Neurotransmittersystemen in Verbindung gebracht, insbesondere dem dopaminergen und noradrenergen System (PMC, Neurobiology Overview).

Dopamin-Hypothese:

  • Bildgebungsstudien zeigen bei Erwachsenen mit ADHS eine 70%ige Erhöhung der Dopamintransporter-Dichte (DTD) in kortikalen Bereichen im Vergleich zu Kontrollpersonen (ADDA, Inside the ADHD Brain)
  • Erhöhte DTD führt zu beschleunigtem Dopamin-Rücktransport, wodurch weniger Dopamin für die synaptische Transmission verfügbar ist
  • Betroffene Hirnregionen: Präfrontaler Kortex (PFC), Striatum, Nucleus accumbens

Allerdings zeigt eine umfassende Übersichtsarbeit von 2024, dass die Evidenz für eine generelle Hypodopaminergie als Kernkomponente von ADHS limitiert ist (Frontiers in Psychiatry, 2024). Die dopaminerge Dysfunktion ist komplexer und betrifft möglicherweise eher das Gleichgewicht zwischen phasischer und tonischer Dopaminfreisetzung (Frontiers in Computational Neuroscience, 2022).

Noradrenalin: ADHS war die erste Störung, bei der ein spezifischer Neurotransmitter-Mangel – in diesem Fall Noradrenalin – nachgewiesen wurde. Noradrenalin wird aus Dopamin synthetisiert und spielt eine zentrale Rolle in Aufmerksamkeits- und Arousal-Prozessen (ADDA, ADHD Brain Chemistry).

Strukturelle Befunde:

  • Der parietale Kortex, der eine Schlüsselrolle in der sensorischen Verarbeitung und Aufmerksamkeitsallokation spielt, zeigt bei ADHS-Betroffenen strukturelle Abweichungen
  • Der präfrontale Kortex (PFC) weist reduzierte Aktivität auf, insbesondere der rechte PFC, was mit Defiziten in exekutiven Funktionen korreliert (PMC, Neuronal Mechanisms)

Hochsensibilität: Sensorische Verarbeitungstiefe

Die neurobiologische Basis von Hochsensibilität ist weniger gut erforscht als ADHS, aber neuere Bildgebungsstudien liefern erste Hinweise:

Funktionelle Unterschiede:

  • HSP zeigen erhöhte Aktivierung in Hirnregionen, die mit Aufmerksamkeit, Handlungsplanung und visueller Verarbeitung assoziiert sind
  • Besonders betroffen: Insula (Interozeption, emotionale Verarbeitung), anteriorer cingulärer Kortex (Fehlerverarbeitung, Empathie)

Neurochemie: Die neurochemische Basis von HSP ist noch weitgehend ungeklärt. Es wird vermutet, dass Unterschiede in serotonergen und dopaminergen Systemen eine Rolle spielen könnten, aber die Datenlage ist begrenzt.

Sensorische Verarbeitung als Bindeglied

Eine zentrale Gemeinsamkeit zwischen ADHS und HSP liegt in atypischer sensorischer Verarbeitung. Eine Meta-Analyse von 2025, die 10.750 Referenzen screenete und 30 Studien mit 5.374 Teilnehmern einschloss, fand, dass Patienten mit ADHS signifikant stärkere sensorische Atypizitäten aufweisen als Kontrollgruppen (Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 2025).

Spezifisch zeigten ADHS-Betroffene im Vergleich zu Kontrollen signifikant erhöhte Werte in:

  • Sensorische Sensitivität (sensory sensitivity)
  • Sensorische Vermeidung (sensory avoidance)
  • Sensorisches Suchen (sensory seeking)
  • Niedrige sensorische Registrierung (low sensory registration)

Forschung zur ADHS-HSP-Schnittmenge

Korrelationsstudien

Eine bahnbrechende Studie von Panagiotidi et al. (2020) untersuchte erstmals systematisch die Beziehung zwischen Sensory Processing Sensitivity (SPS) und ADHS-Traits in der Allgemeinbevölkerung (PubMed, 2020).

Methodik:

  • 274 nicht-klinische Teilnehmer
  • Instrumente: Highly Sensitive Person Scale (HSPS), Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS)

Ergebnis: Die Studie fand eine hochsignifikante positive Korrelation zwischen selbstberichteten ADHS-Traits und sensorischer Sensitivität (ScienceDirect, 2020).

Eine weitere Studie von Acevedo et al. (2017) bestätigte diese Befunde: Die Anzahl der ADHS-Traits korrelierte hochsignifikant mit der Häufigkeit berichteter sensorischer Verarbeitungsprobleme über alle Modalitäten hinweg (PubMed, 2017).

Komorbidität und Überschneidungsraten

Sensorische Verarbeitungsstörungen bei ADHS: Laut klinischen Studien weisen 40-84% der ADHS-Patienten auch sensorische Verarbeitungsstörungen auf (TheraSpecs, Sensory Processing). Dies ist eine bemerkenswert hohe Komorbidität.

Klinische Perspektive: Kliniker, die mit ADHS-Betroffenen arbeiten, betrachten Hypersensitivität (sowohl physisch als auch emotional) als häufige komorbide Bedingung (ADDitude Mag, Hypersensitivity).

Differentialdiagnose: SMD vs. ADHS

Die Differentialdiagnose zwischen Sensory Modulation Disorder (SMD) – einem Konstrukt, das Überschneidungen mit HSP aufweist – und ADHS ist klinisch herausfordernd, da beide Störungen eine hohe Komorbidität aufweisen und mehrere klinische Charakteristika teilen (Frontiers in Human Neuroscience, 2013).

Differenzierende Merkmale:

Eine Studie fand signifikante Unterschiede in visuell-auditiver Sensitivität zwischen Kindern mit SMD und typisch entwickelten Kindern, jedoch nicht zwischen ADHS-Kindern und Kontrollen. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte sensorische Domänen charakteristischer für SMD/HSP als für ADHS sein könnten.

Andererseits zeigt eine systematische Übersichtsarbeit, dass ADHS-Betroffene im Vergleich zu Kontrollen über alle sensorischen Domänen hinweg erhöhte Atypizitäten aufweisen (PMC, Sensory Processing in Children with ADHD), was die Differenzierung erschwert.

Kritisches Differenzierungskriterium: Laut deutschsprachiger Expertenmeinungen liegt ein zentraler Unterschied in der Selbstkontrolle und Selbstregulation:

"Die ADHS-typischen Probleme in der Selbstkontrolle (Aufmerksamkeitskontrolle, Handlungskontrolle etc.) und Selbstregulation sind nicht typisch für Hochsensibilität." (ADHS Deutschland)

Hochsensible Personen können in stimulusintensiven Settings unaufmerksam und ablenkbar sein, aber wenn keine externen Stimuli vorhanden sind, treten in der Regel keine Aufmerksamkeitsprobleme auf. Bei ADHS besteht hingegen auch in reizarmen Umgebungen eine hohe Tendenz zur Ablenkbarkeit (Test-ADHS).

Modelle der Überschneidung

Spektrum-Ansatz

Panagiotidi et al. (2020) schlagen einen Spektrum-Ansatz vor, bei dem ADHS-Traits und Sensory Processing Sensitivity als kontinuierliche Dimensionen verstanden werden, die in der Bevölkerung variieren (ScienceDirect, Spectrum Approach).

In diesem Modell:

  • Beide Konstrukte existieren auf Kontinua
  • Individuen können unterschiedliche Ausprägungen auf beiden Dimensionen aufweisen
  • Die Überschneidung erklärt sich durch gemeinsame neurobiologische Substrate in der sensorischen Verarbeitung

Hierarchisches Modell

Einige Experten wie Dr. Ursula Davatz vertreten die Auffassung, dass alle Menschen mit ADHS hochsensibel sind, Hochsensibilität jedoch nicht zwangsläufig ADHS impliziert (Polarity Cham, 2024).

Dieses hierarchische Modell suggeriert:

  • ADHS ist eine Subgruppe innerhalb des größeren HSP-Konstrukts
  • Die zusätzlichen ADHS-Symptome (Exekutivfunktionsdefizite, Hyperaktivität, Impulsivität) gehen über die reine Hochsensibilität hinaus
  • Sensorische Hypersensitivität ist ein Kernsymptom von ADHS, wird aber in diagnostischen Kriterien unterrepräsentiert

Komorbidität-Modell

Das traditionelle Modell betrachtet ADHS und HSP als separate, aber häufig komorbide Konstrukte:

  • ADHS: Neuropsychiatrische Störung mit definierten diagnostischen Kriterien (DSM-5, ICD-11)
  • HSP: Normvariantes Persönlichkeitsmerkmal
  • Überschneidung erklärt sich durch gemeinsame genetische und neurobiologische Faktoren

Klinische Implikationen

Diagnostische Herausforderungen

Die hohe Überschneidung zwischen ADHS und HSP führt zu mehreren diagnostischen Herausforderungen:

  1. Fehldiagnosen: HSP könnte fälschlicherweise als ADHS diagnostiziert werden, wenn sensorische Überstimulation zu Unaufmerksamkeit führt
  2. Unterdiagnostizierte ADHS: Bei hochsensiblen Personen könnten ADHS-Symptome als Teil der Hochsensibilität fehlinterpretiert werden
  3. Übersehene Komorbidität: Wenn ADHS diagnostiziert wird, könnte die zusätzliche Hochsensibilität übersehen werden, obwohl sie therapeutisch relevant ist

Therapeutische Konsequenzen

Für ADHS mit hoher Sensitivität:

Forschung deutet darauf hin, dass atypische sensorische Verarbeitung eine wichtige, oft übersehene Dimension in der Diagnose und Klassifikation von ADHS darstellt (Frontiers in Integrative Neuroscience, 2019).

Therapeutische Ansätze sollten berücksichtigen:

  • Sensorische Integrationstherapie zusätzlich zu Standard-ADHS-Interventionen
  • Reizreduktion in Arbeits- und Lernumgebungen
  • Anpassung der Medikation: Manche hochsensible ADHS-Betroffene reagieren empfindlicher auf Stimulanzien

Für HSP ohne ADHS:

Wichtig ist die Abgrenzung zu pathologischen Zuständen:

  • HSP ist keine Störung, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal
  • Therapeutische Interventionen zielen auf Bewältigungsstrategien und Umweltanpassung, nicht auf "Heilung"
  • Psychoedukation über die Normalität des Merkmals ist zentral

Personalisierte Ansätze

// Konzeptionelles Modell für personalisierte Intervention
const interventionPlanning = (profile) => {
  const { adhdTraits, hspTraits, executiveFunction, sensoryProfile } = profile;

  let interventions = [];

  // ADHS-spezifische Komponenten
  if (adhdTraits.attention < threshold) {
    interventions.push({
      type: 'medication',
      target: 'dopaminergic_system',
      note: 'Berücksichtige erhöhte Sensitivität bei Dosierung'
    });

    interventions.push({
      type: 'cognitive_behavioral',
      focus: 'executive_function_training'
    });
  }

  // HSP-spezifische Komponenten
  if (hspTraits.sensoryOverResponsiveness > threshold) {
    interventions.push({
      type: 'environmental_modifications',
      strategies: ['reizreduktion', 'rückzugsräume', 'zeitmanagement']
    });

    interventions.push({
      type: 'sensory_integration_therapy',
      focus: 'regulation_strategies'
    });
  }

  // Überschneidungsbereich
  if (adhdTraits.overall > threshold && hspTraits.overall > threshold) {
    interventions.push({
      type: 'integrated_approach',
      note: 'Stimulationsparadoxon: Suche nach Reizen bei gleichzeitiger Überforderung',
      strategies: ['körperliche Aktivität in kontrollierten Settings',
                   'progressive Exposition',
                   'Achtsamkeitstraining']
    });
  }

  return interventions;
};

Offene Forschungsfragen

Trotz wachsender Evidenz bleiben wichtige Fragen unbeantwortet:

1. Genetische Grundlagen

  • Gibt es gemeinsame genetische Varianten, die sowohl ADHS als auch HSP prädisponieren?
  • Dopamin-Rezeptor-Polymorphismen (insbesondere DRD4) sind mit ADHS assoziiert – spielen sie auch bei HSP eine Rolle?
  • Epigenetische Faktoren: Wie beeinflussen Umweltfaktoren die Expression beider Merkmale?

2. Neurobiologische Mechanismen

  • Welche spezifischen neuronalen Netzwerke sind bei beiden Konstrukten betroffen?
  • Thalamus-Kortex-Verbindungen: Unterscheiden sich Filtermechanismen bei ADHS vs. HSP vs. ADHS+HSP?
  • Neuroinflammation: Gibt es Hinweise auf unterschiedliche Entzündungsmarker?

3. Entwicklungsperspektive

  • Wie entwickeln sich beide Merkmale über die Lebensspanne?
  • Interaktion mit Trauma: Können traumatische Erfahrungen HSP-Traits bei ADHS-Betroffenen verstärken?
  • Neuroplastizität: Sind interventionsbedingte Veränderungen bei Komorbidität anders als bei isoliertem ADHS/HSP?

4. Klinische Studien

  • Welche Interventionen sind bei ADHS+HSP-Komorbidität am effektivsten?
  • Medikationsresponse: Reagieren hochsensible ADHS-Betroffene anders auf Stimulanzien?
  • Langzeitoutcomes: Wie beeinflusst das Vorhandensein beider Merkmale Lebensqualität, Berufserfolg, Beziehungen?

5. Methodologische Fragen

  • Validierung von Assessmentinstrumenten: Sind HSP-Skalen bei ADHS-Population valide?
  • Subtypes: Gibt es distinkte Subtypen innerhalb der ADHS+HSP-Population?
  • Kulturelle Varianz: Unterscheiden sich Prävalenz und Präsentation in verschiedenen Kulturen?

Schlussfolgerungen

Die aktuelle Evidenz deutet auf eine substanzielle Überschneidung zwischen ADHS und Hochsensibilität hin, die weit über das hinausgeht, was durch Zufall zu erwarten wäre:

  1. 40-84% der ADHS-Betroffenen zeigen sensorische Verarbeitungsstörungen, die mit HSP-Merkmalen überlappen
  2. Hochsignifikante Korrelationen zwischen ADHS-Traits und Sensory Processing Sensitivity in der Allgemeinbevölkerung
  3. Gemeinsame neurobiologische Substrate in der sensorischen Verarbeitung und Aufmerksamkeitsallokation
  4. Differenzierung ist möglich, aber klinisch herausfordernd und erfordert sorgfältige Evaluation exekutiver Funktionen und kontextabhängiger Symptommanifestation

Kernaussagen:

  • ADHS und HSP sind keine identischen Konstrukte, teilen aber signifikante Überschneidungen, insbesondere in der sensorischen Verarbeitungsdimension
  • Die Dopamin-Hypothese bei ADHS ist komplexer als ursprünglich angenommen und betrifft möglicherweise auch Aspekte der sensorischen Modulation
  • Sensorische Hypersensitivität bei ADHS ist ein oft unterschätztes Symptom, das in zukünftigen Diagnosekriterien stärker berücksichtigt werden sollte
  • Personalisierte Interventionen, die beide Aspekte adressieren, sind vermutlich effektiver als standardisierte Einzelansätze

Für die Praxis:

Kliniker sollten bei ADHS-Diagnosen routinemäßig sensorische Sensitivität erheben und umgekehrt bei hochsensiblen Personen mit funktionellen Beeinträchtigungen ADHS-Screenings in Betracht ziehen. Die Anerkennung der Komorbidität kann zu präziseren Diagnosen und effektiveren, individuell angepassten Behandlungsplänen führen.

Für die Forschung:

Zukünftige Studien sollten:

  • Längsschnittdesigns verwenden, um Entwicklungsverläufe zu verstehen
  • Neurobiologische Mechanismen mittels Bildgebung und genetischen Analysen untersuchen
  • Interventionsstudien durchführen, die spezifisch die Komorbidität adressieren
  • Ökologisch valide Assessments entwickeln, die beide Konstrukte in Alltagssituationen erfassen

Literaturhinweise

Die vollständigen Quellenangaben zu allen zitierten Studien sind im Text als Hyperlinks hinterlegt. Für einen detaillierten Einstieg in die Thematik empfehlen sich folgende Ressourcen:

Grundlagenwerke:

  • Aron, E. N. (1996). The Highly Sensitive Person. Broadway Books.
  • Barkley, R. A. (2015). Attention-Deficit Hyperactivity Disorder: A Handbook for Diagnosis and Treatment.

Aktuelle Reviews:

  • Jurek et al. (2025). Sensory Processing in Individuals With ADHD: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry.
  • Panagiotidi et al. (2020). The relationship between sensory processing sensitivity and attention deficit hyperactivity disorder traits: A spectrum approach. Psychiatry Research.

Deutsche Ressourcen:


Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis aktueller wissenschaftlicher Literatur erstellt. Er ersetzt keine professionelle medizinische oder psychologische Beratung. Bei Verdacht auf ADHS oder bei bedeutsamen funktionellen Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit Hochsensibilität sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Quellen

Alle im Text zitierten Studien und Quellen sind als Hyperlinks hinterlegt. Hier eine Übersicht der wichtigsten Primärquellen:

Prävalenz und Epidemiologie

Neurobiologie

Sensorische Verarbeitung

ADHS-HSP Schnittmenge

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